Tag 23 – Kapitulation

By | 11. August 2015

Ich? Nein – Die Technik!
Vor mir, dem Wetter und allem Anderen.

Über das Wochenende entschloss ich mein Hinterrad bei der nächsten Gelegenheit auszutauschen. Nachdem die Nabe seit etlichen hundert Kilometern Öl verliert, habe ich das Rad einmal angehoben und von Hand angedreht. Inzwischen kann man darin irgendwelche Laufgeräusche hören, die Anfangs nicht vorhanden waren.
Heute, Montag, soll es also soweit sein. Der erste Blick aus dem Zelt verspricht schon nichts Gutes. Der Regen hat sich über Nacht einen Weg zu meinem 12V Akku und dem Entladecontroller gebahnt und diesen inclusive meinem Rücklicht eingeschalten. Das hat den Akku so weit entladen, dass er kurz vor der Unterspannungsabschaltung steht.
Außer meinem Handy sind aber alle Geräteakkus soweit geladen, dass ich es auf bis nach Bonn schaffen müßte.

Kurz nach 12:00 stehe ich abfahrbereit in der Ausfahrt vom Campingplatz bei Remagen. Telefonisch habe ich schon abgeklärt, wo ich ein neues Hinterrad kaufen kann.

Also los:
Logbucheintrag 12:02,
GoPro läuft,
GPS ist an, Aufnahme starten – keine Reaktion.
Scheinbar ist Feuchtigkeit im Gerät und es nimmt keine Fingereingaben mehr an.
Während das Gerät nach einem unsanften Reset hoch fährt starte ich das Ersatz-GPS im Handy.
Das Handy hatte ich am morgen noch in der Rikscha auf ca. 25% laden können.
Während ich die Aufzeichnung starten möchte plötzlich ein schwarzer Bildschirm und da Gerät zeigt einen entladenen Akku.
Ich vertraue auf meine onboard-Ladeelektronik und widme mich wieder meinem Teasi. Auch nach mehrmaligem Neustart nimmt es keinen oder nur einzelne Eingaben an.
Dann muss ich mich heute auf die Ersatzvariante  im Handy verlassen.
Dieses lädt aber nicht. Scheinbar hat das Ladegerät auch mit der Feuchtigkeit von der letzten Nacht zu kämpfen.
Nach ungefähr 40 minuten gebe ich auf.

Zudammen mit dem Platzwart bekommt das GPS Gerät einen warmen Platz auf der Zentralheeizung der Duschen.
Ich stelle mich in Steckdosennähe in einen Flur, lade mein Handy und schreibe für diesen Blog hier.

Gegen 14:00 ist das GPS gerät dann tatsöchlich wieder willig auf meine Eingaben zu reagieren.
Schnell die Aufzeichnung gestartet und das Fahrradgeschäft als Ziel eingegeben.
Das Handy ist auch wieder funktionsbereit und zeichnet wie an allen Tagen die Tour mit auf.

Gegen 16:00 bin ich dann beim Drahtesel in Bonn. Das Navi reagiert schon wieder nicht mehr. Wieder ein unsanfter Reset.
Anschließend ein mittelgroßer Umbau. Hinterrad tauschen und von Nabenschaltung wieder auf Kettenschaltung umrüsten. Zwar habe ich außer einem Schaltzug und wenigen kleinteilen alles dabei, bis alle Teile Montiert sind vergehen zwei Stunden.

Hier nochmal ein großes Dankeschön an den „Drahtesel“ in Bonn. Zu meiner Freude haben sie mir zwei Werkzeuge geliehen die ich nicht habe und zum Schluss bekam ich noch etliche Kleinteile gespendet. Ein tolles Team, Dankeschön!

Was dann kommt, tut in mir in der Seele weh. Ich muss das tolle hintere Laufrad, was ich knapp vor Abfahrt noch gerade so einspeichen lassen konnte, auseinanderbauen.
Bis das erledigt und die Schaltung sowie die Hinterradbremse wieder eingestellt sind vergeht eine Stunde, es ist gegen 19:00
Viel Fahren kann ich heute nicht mehr. Köln als Ziel ist nicht mehr zu akzeptablen Uhrzeiten erreichbar. Bis dahin gibt es leider auch keinen Campingplatz.
Schließlich entscheide ich mich für die Jugendherberge in Bonn. Leider liegt sie auf einem Berg, ca 5km entfernt.
Zur Abfahrt verzichte ich wieder auf mein nicht reagierendes GPS-Gerätchen und verlasse mich wieder auff das geladene Handy.

Der Berg hat es allerdings in sich. Hinter der Haribo-Zentrale geht es hoch. Ca. 110 Höhenmeter in einer atemberaubenden Steigung. Auf die letzten 500m muss ich dann etliche male pausieren um wieder zu kräften zu kommen. Schieben ist keine Option! Erstens erlaubt mir das mein Ego nicht, zweitens hat es zwischenzeitlich wieder kräftig zu regnen angefangen. Ich glaube nicht, dass meine Fahrradschuhe mit Metallplatten in den Sohlen mehr Grip haben als mein Hinterrad. Und selbst dieses dreht bei jedem Tritt in die Pedale schon leicht durch.

Keine 200m bevor ich es geschafft habe geschieht das unglaubliche:
Ich trete ins leere. Nicht plötzlich, so wie ich das von springenden Ketten gewohnt bin, sondern ein immer leichter werdender Widerstand, bis das Pedal dann endgültig leer läuft.
Schnell noch das Stopvideo gedreht und dabei die hinteren Ritzel kontrolliert während ich zu kämpfen habe, dass die Rikscha nicht kippt oder mich rückwärts wegschiebt. Meine Befürchtung bestätigt sich:
Ich habe die Schraubverbindung zwischen Schraubkranz und Nabe abgerissen.

Was sich auch bestätigt, es ist fast unmöglich die Rikscha bei den Bedingungen bergauf zu schieben. Zwei Querrinnen machen mir unterwegs noch gut zu schaffen aber sind mit etlichen Anläufen auch passierbar.

Gegen 22:00 komme ich dann durchnässt in der Jugendherberge an.

Gefahren bin ich heute laut Smartphone 28km.
Ich ziehe 3km für die geschobene Strecke und gelaufene Strecken ab, bei denen ich das Handy in der Tasche hatte.
Ich zähle für heute 25 km und bin bei insgesamt 1109,1 km

Aber es war ein teurer Tag:

Die Übernachtung war 30€ teurer als Campen.
Das kurzlebige Laufrad schlug mit 60€ ins Budget.
Und im Gedanken trauere ich den 60€ für Speichen und einspeichen des ausgebauten Hinterrades hinterher.

Genug für heute.

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One thought on “Tag 23 – Kapitulation

  1. joshua wahl

    Hoffentlich gehts die nächsten Tage besser
    Ich verfolge deinen Rekord ganz gespannt
    meine mama arbeitet mit deiner
    Du schaffst das nicht aufgeben

    Joshua

    Reply

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